EST.

2008

Natürlich

lebendig

authentisch

Reif für die Insel – Nordseeinsel Langeoog – ein Reisebericht

„Als Selbständiger ist es wichtig, sich zwischendurch immer genügend Inseln einzubauen“

…sagte einmal eine liebe Freundin zu uns und für dieses Jahr hatten Chris und ich es uns fest vorgenommen, diesen Rat zu beherzigen. Also nutzten wir die Gelegenheit des ersten Lochs im Kalender und flüchteten vor dem hiesigen Regenwetter. Denn eigentlich war unser erster Gedanke gewesen, nach Rügen zu fahren. Die Insel Rügen ist ja quasi gleich ums Eck. Doch nachdem Chris fast den ganzen Tag vergeblich nach einer Ferienwohnung auf Rügen  gegooglet hatte – was in der Hauptsaison natürlich echte Glückssache ist -, schaute er zur Abwechselung mal in die Wetterapp, welche ihm verriet, dass es die nächsten Tage hier oben bei uns nur so aus Eimern schütten sollte. Also machte sich Chris schlau, wo es denn laut Wetterapp nicht regnen sollte und siehe da, schönes Wetter wurde für die Nordsee versprochen. So machte er sich daran, eine Ferienwohnung an der Nordsee zu finden und wurde sogar fündig. Die Pension Landart in Wangerland/Ostfriesland hatte noch ein Zimmer frei und war auch bereit, uns für nur 2 Nächte zu beherbergen. Kurzerhand buchten wir das Zimmer, packten unsere Sachen und machten uns auf und davon. On the road ab an die Nordsee.

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Erfrischend Norddeutsch

Von Grundshagen nach Minsen/Wangerland zeigte uns das Navi eine Fahrtzeit von 3,5 Stunden an. Das ist ja nicht soo lang. Auf der Fahrt dorthin standen wir jedoch ziemlich oft im Stau bei Stop and Go, so dass aus 3,5 Stunden dann doch 5,5 Stunden Anfahrt wurden. Die Gastgeberin der Pension Landart, Frau Müller, hatte uns zuvor zugesichert, dass wir bis 21 h anreisen könnten, also blieben wir entspannt. Dennoch macht so eine lange Anfahrt schon einigermaßen platt. Dafür sollten wir aber belohnt werden. Kaum waren wir in Minsen bei der Pension Landart angekommen, begrüßte uns Frau Müller mit ihrer herrlich erfrischend norddeutschen Art. Wir waren angekommen. In Ostfriesand an der Nordsee.

Für den kommenden Tag wollten wir unbedingt auf die Insel und Frau Müller riet uns, die Insel Langeoog zu besuchen. Einerseits deshalb, weil sie wunderschön und andererseits bestens für einen Tagestrip geeignet ist. „An der Nordsee sind Sie ja tideabhängig“, erklärte sie uns. Nach Spiekeroog oder Wangerooge – die Nachbarinseln – würden wir es an einem Tag nicht hin und zurück schaffen. Bei Langeoog hat man jedoch das Glück, dass der Priel immer Wasser führt, so dass wir am selben Tag auch wieder zurückfahren konnten. So hieß es also: Insel Langeoog, wir kommen!

 

Ostfriesiche Teekultur

Frau Müller zeigte uns ihre wunderschön eingerichtete Pension. Überall an den Wänden hingen ausgesuchte Malereien der Malerin Gisela Schroh, mit der sie zusammengearbeitet hatte. „Ein Freund ist jemand, der die Melodie Deines Herzens kennt und sie Dir vorspielt, wenn Du sie vergessen hast“ stand da in großen Lettern auf eine Leinwand geschrieben – ein Spruch von Albert Einstein – sowie an der anderen Ecke des Flures ein schönes „Zeitstrom-Gemälde“ wie sie uns erklärte und aus dem sich der jeweilige Betrachter ganz nach seiner eigenen Landkarte herauslesen konnte, was er darin sah. Wunderschön dachten wir und fühlten uns gleich wohl.

Als es in den Frühstücksraum ging und Frau Müller uns fragte, was wir zum Frühstück trinken wollten, entschied ich mich für Tee. Danach gefragt, ob sie Tee hätten, fiel es mir wieder siedend heiß ein, als Frau Müller mit einem „Natürlich“ antwortete und sagte, „Wir haben hier in Ostfriesland ja eine richtige Teekultur“. Sie erzählte uns, dass die Ostfriesen ihren schwarzen Tee nur aus ganz dünnen Tassen trinken würden. Ob dies ein Tick sei, könne sie uns nicht sagen. Aber sie versicherte uns, dass ihr der Tee tatsächlich auch nur aus diesen hauchdünnen Tassen schmecken würde. „De junge Lüüd machen das heute wahrscheinlich auch schon anders“, sagte sie mit einem Lächeln. In die Teetasse kommen erst einmal dicke „Kluntje“ hinein – das ist der große weiße Kandis -, welcher dann kochend heiß übergossen wird bis er bricht. Zum Schluss bekommt der Tee noch ein Häubchen aus dem Rahm guter frischer Landmilch. Voilá. So genießt man Tee in Ostfriesland. „Übrigens der kleine Teelöffel“, erklärte sie uns weiter, „ist nur dafür da, anzuzeigen, dass man genug Tee getrunken hätte. Solange der Teelöffel nämlich nicht in der Tasse steht, würde immer wieder nachgegossen werden.“  Eine schöne Geschichte, fanden wir.

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Abenteuer Nordseeinsel Langeoog

Am nächsten Morgen ging es nach einer herrlich erholenden Nacht in dem urgemütlichen Doppelbett der Pension auf zur Insel Langeoog. Von der Pension Landart in Minsen bis zum Fähranleger Bensersiel war es eine halbe Stunde Autofahrt. So saßen wir wie für uns, die Familie Manteufel, typisch, um 8:15 h immer noch recht tiefenentspannt am Frühstückstisch als Frau Müller den Frühstücksraum betrat und uns darüber informierte, dass wir uns doch jetzt mal in die Hufe begeben sollten, wenn wir noch pünktlich auf die 9:30 h Fähre wollten. Es könnte nämlich evtl. nicht ganz einfach sein, einen Parkplatz zu finden. Just sprangen wir auf, machten uns fertig und verließen mit fliegenden Fahnen die Pension. Unterwegs verlor unser (noch) nicht auf den neuesten Stand aktualisiertes Navi für kurze Zeit die Orientierung und wir schickten Stoßgebete in den Himmel, wir mögen einen Parkplatz finden und die Fähre noch rechtzeitig erreichen. Spätestens hier musste ich zum zweiten Mal kichern, weil dies so typisch für uns ist. Doch wir blieben entspannt und weiterhin positiv, dass wir es schon schaffen würden. Gott sei Dank, war es dann auch so. Wir trafen in letzter Minute am Fähranleger ein und fanden ziemlich schnell einen Parkplatz, um dann aber im Schweinsgalopp zum Eingang zu joggen. Nach Luft schnappend draußen vor der Eingangshalle angekommen, konnten sich unsere Pulse erst einmal wieder beruhigen. Massen von Urlaubern standen da, die offensichtlich auch alle das gute Wetter nutzen wollten, um es auf der Insel Langeoog zu genießen.

Den Fahrkartenschalter schon in fast greifbarer Nähe erreicht, klang plötzlich durch die Lautsprecher der Eingangshalle des Fähranlegers, dass die 9:30 h Fähre heillos überfüllt sei und daher keine weiteren Passagiere mehr aufnehmen könne. Es würde jedoch eine zweite Fähre geschickt werden. Wir ließen uns daher nicht aus der Ruhe bringen, sondern waren dankbar für die zweite Fähre, die man schickte. Am Fahrkartenautomat endlich angekommen, stand zwei Passagiere hinter uns plötzlich ein Mitarbeiter der Fährschifffahrt und teilte uns mit, dass er den Fahrkartenautomat schließen müsse, da einfach nichts mehr ginge. Weil ich gerade dabei war, unsere Fahrkarten zu bezahlen, meinte ich zu ihm, dass wir doch aber noch mitkommen würden. Er schüttelte nur den Kopf und zuckte mit den Achseln. Ich ließ mich davon nicht beeindrucken und wies meine Männer nur zielgerichtet an, mir schnellsten Schrittes durch die Halle zum Fähranleger zu folgen. Wir hatten Glück. Die Fähre nahm uns noch mit. So genossen wir dicht an dicht zwischen all den anderen Passagieren stehend mit der steifen Brise des Nordseewindes in den Haaren die wunderbare Überfahrt über den Priel vom Festland zur Insel Langeoog. Herrlich. Wir fuhren auf diesem schmalen Streifen Wasser und rechts und links nur Watt so weit das Auge reichte. Zwei Seehunde waren auch zu sehen. Sie lagen auf der Sandbank und sonnten sich die Bäuche. Ein wunderbarer Start in unseren Tag.

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Raus aus dem Dorf ist es am schönsten

Am Hafen der Insel Langeoog angekommen begrüßte uns der schöne Slogan „Insel Langeoog – Eine Insel für´s Leben“. Das konnte ja nur gut werden. Die kleine Inselbahn wartete bereits und die Urlaubermassen sputeten sich, noch einen Platz in der Bahn zu ergattern. Im Ort angekommen, steuerten wir als erstes den Fahrradverleih an, denn Langeoog ist eine Insel, auf der nur Fahrräder und Pferdekutschen erlaubt sind. Darüber hinaus hatten wir ja nur diesen einen Tag und wollten auch ein bißchen von der Insel sehen. Man soll ja immer mal wieder etwas neues ausprobieren, also liehen wir uns Hollandräder, auf denen wir bislang noch nie gesessen hatten und was sich im ersten Moment auch als nicht ganz so einfach herausstellen sollte. Denn bisher waren wir nur Sporträder gewohnt.

Der Fahrradverleihmann empfahl uns, aus dem Dorf heraus zu fahren, denn dort sei es am schönsten und der Postmann, der mit seinem Elektroauto gerade an uns vorbei fuhr, riet uns, wieder zurück zum Hafen und dann nach rechts zu fahren, wenn wir keine Action wollten. Dort würden wir nämlich so gut wie niemanden mehr antreffen und unsere Ruhe genießen können. Diesem Rat folgten wir also und zogen mit dem Rad der Sonne entgegen über die Insel. Wir fuhren am Wasser entlang und über den Deich. Eine herrliche Aussicht. Friesisch herb. Nordsee eben. Wir waren begeistert.

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Die Sache mit dem „Grüß Gott“

Oben auf dem Deich begegnete uns eine ältere Dame auf dem Rad und grüßte mit einem „Grüß Gott“. So grüßte ich zurück und sie blieb erstaunt stehen und fragte, ob wir auch aus dem Schwäbischen seien, denn sie hätte es ja noch nie gehabt, dass jemand, der nicht von dort war, sie mit einem „Grüß Gott“ zurück grüßt. Ich musste lächeln, zuckte mit den Achseln und sagte, vielleicht liegt es ja daran, dass ich an den lieben Gott glaube. Die Dame war entzückt und fing an, mir von der Insel vorzuschwärmen und davon zu erzählen, wie sie dazu kam, allein an die Nordsee zu fahren. Dass sie bereits so viel von dieser wunderschönen Insel gesehen hätte und dabei wäre, die ganze Insel mit dem Rad zu erkunden. Die Menschen seien hier so freundlich und die Luft so wunderbar. Auch hätte man ihr erzählt, dass es auf der Insel im Grunde weniger Regen gibt als auf dem Festland. Und am Morgen hatte sie eigentlich vorgehabt, eine Wattwanderung mitzumachen. Doch war sie ihr zu früh gewesen, da sie von ihrer Tour am Vortag noch zu kaputt gewesen war. Sie legte uns dringend ans Herz, noch einmal einen Urlaub für länger auf der Insel zu buchen, denn hier gäbe es so viel schönes zu entdecken.

Ich war beeindruckt. Leider hatte ich sie nicht gefragt, wie alt sie war und ich finde es auch sehr schwierig, ältere Menschen zu schätzen. Aus dem Bauch heraus würde ich aber einfach mal darauf tippen, dass sie bestimmt schon 79 gewesen ist. Fit wie ein Turnschuh und mit einer lebendigen Begeisterung durch´s Leben gehend, dass man sich nur eine Scheibe davon abschneiden kann. Wie oft trifft man schon eine ältere Dame, die allein in den Urlaub fährt und einem erzählt, dass sie schon die ganze Insel mit dem Rad erkundet hätte und sonst eigentlich immer nur campt? Hut ab! Meine Bewunderung hat sie.

Aus Interesse fragte ich sie noch, was es denn mit dem Grüß Gott auf sich hätte und sie erklärte mir, dass die Menschen in den Bergen früher ja noch nicht so wohlhabend gewesen wären wie es heute der Fall ist. Diese waren seinerzeit noch sehr auf die Natur angewiesen und deshalb so ehrfürchtig ihr gegenüber. Auch, weil das Leben in den Bergen sehr den Naturgewalten ausgesetzt sei – gestern wie heute. So sind die Menschen in dieser Region sehr gottesfürchtig. Daher begrüßt man sich mit einem „Grüß Gott“. Die Erklärung gefiel mir.

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Dünen, Strand und Meer – Nordsee pur

Unsere Fahrt auf dem Deich führte uns durch eine wunderbare Dünenlandschaft hin zu einem Strandaufgang. Wir hielten daher an, schlossen unsere Räder ab und wanderten über die Dünen an einen wunderbar feinen Sandstrand, schmissen uns hin und ließen uns von der Sonne kitzeln. Wir hatten den Strand fast für uns. Nur ein paar Urlauber lagen oder saßen mit uns am breiten Naturstrand. Im seichten Wasser machten Surfschüler ihre ersten Versuche auf ihren Brettern und eine kleine Gruppe Mädchen ritt auf ihren Pferden an uns vorbei. Wir hatten bomben Sommersonnenwetter. Es war einfach nur wunderschön!

Ein nur einziger Tag kann so schön sein, dass man sich mitten in der auftragsstärksten Zeit mit neuer Energie auftanken und diese voller Freude mit nach Hause nehmen kann.

Langeoog, Du siehst uns wieder!

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Zu guter Letzt

Natürlich wollte ich noch wissen, was „oog“ denn eigentlich heißt. Selbst dachte ich bei mir, Spiekeroog, Langeoog und Wangerooge – klar, das kann doch nur „Insel“ bedeuten. Doch klärte mich der Fahrradverleihmann auf, dass „oog“ Ende bedeute. Also, Langeoog – das lange Ende.

Mein Umweltschützerherz kam auch noch auf seine Kosten und konnte nicht ungeachtet an dem Müll vorbei gehen, der sich im Strandsand befand. Doch war ich sehr glücklich darüber, dass es so viel nicht gewesen war. Die Natur ist so wunderschön und gibt uns so viel. Sie zu bewahren bedeutet, uns selbst zu erhalten. In diesem Sinne…

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Es grüßen Euch liebst,

Chris & Tania

(Nachtrag – wir waren bereits im Juli auf Langeoog gewesen ;o))

 

Fewo Unterkunft Nordsee Ostfriesland: Pension Landart Minsen/Wangerland

Ein Reisebericht von Tania Manteufel

Fotos: © Chris und Tania Manteufel

 

 

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